EBOOK

Pokhie


€ 11,35
 
kartoniert
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Juli 2008

Beschreibung

Beschreibung

Der Autor schildert in autobiografischer Form die Beziehung und spätere Trennung sowie die sich anschließende Freundschaft zu einer thailändischen Prostituierten, die zum Zeitpunkt des Geschehens 21 bis knapp 25 Jahre alt ist.Er beschreibt in seinem Buch nicht nur persönliche, teilweise schockierende Erlebnisse, sondern versucht auch darzustellen, welche Problematiken durch die Begegnung von zwei Kulturkreisen zwischenmenschlich entstehen können. Untermauert wird dies durch Schilderungen von Reiseerlebnissen in Thailand. Darüber hinaus weist er darauf hin, dass das Schicksal von Pokhie kein Einzelschicksal ist sondern durch die globale Dominanz der westlichen Industrienationen Millionen, um nicht zu sagen Milliarden, von Einzelschicksalen in den Ländern der so genannten dritten und vierten Welt in vergleichbarer Weise betroffen sind.

Portrait

U. E. Spangenberger wurde 1945 in Frankfurt am Main geboren. Nach einer Ausbildung in einem grafischen Beruf holte er über den zweiten Bildungsweg das Abitur nach und studierte anschließend Wirtschaftspädagogik an der Frankfurter Universität. Heute arbeitet er wieder im grafischen Computerbereich. Bisher sind von ihm Kurzgeschichten und das Vorlesebuch "Brummbär und seine Freunde im Wald der Tiere" bei Haag + Herchen erschienen.

Leseprobe


Spangenberger, Ulrich:
Pokhie


Pokhie

Ich lernte Pokhie in einem Etablissement in Frankfurt am Main kennen. Das Zimmer, in dem ich auf sie wartete, bestand hauptsächlich aus Bett und strahlte diese bekannte schwülstige und dumpfe Atmosphäre aus, die solchen Räumen oft anhaftet. Dieser Eindruck wurde verstärkt durch süß-säuerliche Gerüche, die manchmal Beigeschmack von asiatischen Küchen sind. Auch die schweren zugezogenen dunkelroten Vorhänge schienen diese Dünste aufgesogen zu haben. Schummriges Halbdunkel, rote Neonleuchten, die sich in dem großen Spiegel am Kopfende des Bettes widerspiegelten, und melancholische Schmusesongs sollten dem Besucher eine Stimmung vorgaukeln, die nicht wirklich vorhanden war.
"Das neue Mädchen ist sehr hübsch", so war mir Pokhie angekündigt worden. Dies war wahrlich nicht übertrieben, wie ich bald feststellen sollte. Denn nach kurzer Wartezeit erschien eine zierliche junge Frau mit feinen, zarten Gesichtszügen, kleiner Knubbelnase und hoher Stirn. Nur dezent hatte sie Lippenstift und andere Accessoires aufgetragen. Ihre Fingernägel wirkten gepflegt und waren sauber lackiert. Glattes, schwarzes, halblanges Haar, das von aufgehellten rotbraunen Strähnchen verziert wurde, schmückte ihr Gesicht. Als sie mich begrüßte, blitzten ihre weißen Zähne auf.
Ich blickte auf einen schlanken, fast makellosen Körper, der von wohlgeformten Beinen getragen wurde. Sogar das Tatoo mit dem kleinen Vogel auf ihrem Oberarm störte mich, der sonst für Verzierungen dieser Art überhaupt nichts übrig hat, nur wenig. Insgesamt fand ich, dass sie für jeden Gast ein ästhetischer Anblick sein musste, und auch mir gefiel das Dargebotene sehr.
Die junge Thailänderin offenbarte also mit ihrer äußeren Erscheinung in jeder Weise jene Vorzüge, die mich schon immer angezogen hatten. Sie war zierlich, sie war schlank, sie war nicht zu groß, eher klein, ihre ganzen Proportionen schienen zu stimmen. Ich hatte nicht das Geringste an ihr auszusetzen.
Dennoch habe ich mit ihr das erste gemeinsame Erlebnis nicht in besonders reizvoller Erinnerung behalten. Sie verkaufte sich zunächst schlecht. Sie wirkte desinteressiert. Sie vermittelte mir das Gefühl, dass sie liebend gerne weit weg sein wollte.
Sie ließ mich also spüren, dass ich ihr sehr egal war. Das wiederum behagte mir nicht. Auf den Gedanken, dass so ein Mensch aus einem fernen Land und fremden Kulturkreis ganz andere Probleme haben könnte, bin ich im Entferntesten nicht gekommen. Ich war dumm und egoistisch. Ich bildete mir sogar ein, sie nicht wie Ware zu behandeln, da ich ihr half, ein frisches Laken ordentlich über das Bett zu ziehen. Ja, ich war auf diese Handlung stolz, weil ich dachte, dass nur wenige Kunden in dieser Weise Hilfsbereitschaft zeigen würden. Da sie jedoch darauf nicht entsprechend reagierte, war ich verwundert und empfand sie als undankbar.
Dennoch, sie interessierte mich. So fand ich immer wieder den Weg zu ihr und stand am Eingang des großen grauen Mietshauses aus den fünfziger Jahren mit den unansehnlichen Balkongeländern aus blau lackiertem Blech.
Ich schaute mich jedes Mal verstohlen um, bevor ich in den Hof ging, um dann an der Haustür auf das abgenutzte Klingelschild zu drücken. Fast immer hatte ich ein unangenehmes Gefühl, solange, bis endlich der Türöffner summte und ich gegen die Eingangstür drücken konnte. Denn ich wollte vermeiden, dass ein Hausbewohner bemerkte, welche Wohnung ich anschließend betreten würde. Dies empfinde ich heute irrational. Zum einen kannte mich in dem Haus niemand, und zum anderen stand ich nicht hinter meinem Handeln. Aber, so war es nun einmal.
Von diesen ersten zwei, drei Monaten mit ihr habe ich nur wenige Eindrücke, die für mich bleibend sind, und über die ich etwas erzählen könnte. Es sei denn, dass sie mir zunehmend freundlicher und aufmerksamer vorkam. Aber wie so vieles im Leben, kann auch dieses Gefühl nur durch den Wunsch in mir selbst entstanden sein.
Behalten habe ich, dass sie mir bei einer dieser anfänglichen Begegnungen voller Stolz erzählte, sie sei erst einundzwanzig Jahre alt. Ich registrierte es, konnte aber zunächst damit nichts anfangen. Ich hatte ja nur meine Gedankenwelt im Kopf und wusste, dass viele junge Frauen aus fremden Ländern bei uns diese Arbeit tun. Mehr dazu kam mir nicht in den Sinn.
Ich sah sie nicht als eigenständiges Individuum. Wahrscheinlich begriff ich sie nur als Mittel, nicht aber als Menschen, der seine eigenen Wünsche und Sorgen hat.
Nach einiger Zeit bemerkte ich, dass ich öfter an sie denken musste. Mein inneres Bild von ihr begann sich zu wandeln. Wenn sie etwas sagte, nahm ich es auf wie von jemandem, der mir wichtig war und an dessen Leben ich Anteil nehmen wollte. Äußerungen, die sie machte, regten mich mehr und mehr zum Nachdenken an.
Die thailändische Frau war als Person in mein Leben getreten.

EAN: 9783837058321
ISBN: 3837058328
Untertitel: Plädoyer für eine thailändische Prostituierte. Paperback.
Verlag: Books on Demand
Erscheinungsdatum: Juli 2008
Seitenanzahl: 168 Seiten
Format: kartoniert

Durchschnittliche Kundenbewertung

Kundenbewertungen

Udo Sockel - 15.09.2008, 21:10
Informativ und spannend
Als ich das Buch in die Hand nahm, dachte ich, nun, was wird das sein. Und dann habe ich mich festgelesen, konnte kaum aufhören. Das spannende ist daran, daß der Autor es geschafft hat, seine persönliche Geschichte so mit Hintergrundinformationen zu verknüpfen, daß der Leser dies mit Leichtigkeit mitnimmt, und erst am Ende versteht, dass das Buch mehr will als eine Autobiografie zu sein.