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Organisation und Welterschließung

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Mai 2008

Beschreibung

Beschreibung

Organisationen sind Veranstaltungen der Welterschließung. Ihr Sinn ist die organisierte Fest-Stellung von Bedeutungen und Handlungsweisen angesichts unabstellbarer Mehrdeutigkeit und Veränderlichkeit. Kann angesichts dessen der Diskurs um die so genannte Postmoderne die Organisationstheorie bereichern? Das Buch gibt eine entschiedene Antwort, nicht nur programmatisch, sondern durch dekonstruktive Analysen der wichtigsten Organisationsprobleme. Themen sind:
? der Diskurs um die Postmoderne zwischen Habermas, Giddens und Derrida;
? organisationale Regelwerke und die Notwendigkeit ihrer Verletzung in der Anwendung;
? die Paradoxien der Entscheidung;
? die Ressourcen und ressourcenorientierte Ansätze des strategischen Managements;
? Vertrauen, Geld und Macht als Medien der Koordination und Kooperation;
? die Evolution der Kooperation.

Inhaltsverzeichnis

Dekonstruktion - Organisation - Evolution und Kooperation, Vertrauen, Geld, Macht

Innenansichten

Portrait

Dr. Günther Ortmann ist Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.

Leseprobe

4 Strukturation und Dekonstruktion (S. 16)

Tatsächlich verfolgt Derrida keine, oder kaum, sozialwissenschaftliche Interessen. Seine Insistenz aber auf der dissemination", der nicht stillstellbaren Vervielfältigung und Zerstreuung der Bedeutung von Texten, brauchen wir nur auf die allseits doch völlig unbestrittene Sinndimension allen sozialen Handelns zu beziehen (Ricur 1978), um die Relevanz seiner Arbeiten und Denkfiguren für die Organisationstheorie zu sehen.

Organisation können wir ja geradezu als die Arbeit an der Fest-Stellung von Bedeutungen (auch: der Bedeutung des Handelns) auffassen mit Derrida wäre zu ergänzen: eine immer notwendige und niemals gelingende, niemals zu Ende zu bringende Arbeit. Organisation ist das organisierte Ringen um die Absorption von Unsicherheit und Mehrdeutigkeit, um die Entfaltung, Bearbeitung, Verschiebung und oszillierende Veränderung von Paradoxien, mit der Zuflucht zu immer nur vorläufigen Lösungen" mit eingebauten Folgeproblemen.

Wir setzen auf rule following", aber handeln uns den Starrsinn der Bürokraten ein und sagen dann: First, break all the rules" (Buckingham, Coffman 1999), wir puffern den technischen Kern einer Organisation, aber sehen uns mit dann doch einsickernder Kontingenz aus der Umwelt in den technischen Kern konfrontiert, wir setzen auf Hierarchie statt auf Markt, aber in Gestalt von profit centers, intrapreneurship oder Unternehmungsnetzwerken kommt es irgendwann zu einem re-entry des Marktes in die Unternehmung.

So etwas heißt bei Derrida: Différance, eine zugleich aussetzende, verschiebende, aufschiebende und verändernde Kraft. Man lese Erhard Friedbergs Buch über den beständigen Aufschub, das Aussetzen und die Veränderung organisationaler Regelwerke (Friedberg 1995, dazu: Ortmann 2003). Das alles endet, auch bei Derrida, nicht in einem Bedeutungsrelativismus. Es platziert aber die Figur des Wandels der beständigen Différance organisationale
r Strukturen im Innersten allen Geschehens in Organisationen.

Wer sich an Derridas Rekurs Reduktion? auf den Text" stört, bedenke: in der Rede vom Kontext haben wir alles Handeln, alles Kommunizieren, alles Interpretieren und jede Organisation längst selbst unter die Metapher des Textes gebracht. Dito mit der Rede vom pretext" Vorwand , der ja von Meyer/Rowan bis Brunsson eine so dominante Rolle in der neo-institutionalistischen Organisationstheorie spielt.

Der gesamte Kontext-Determinis- mus der Kontingenzforschung hätte sich vermeiden und ein Vierteljahrhundert situative Organisationsforschung einsparen lassen, wäre nur von Uexkülls Umwelt- und Batesons Kontext-Konzept zur Kenntnis genommen worden. Das Gleiche gilt von den wirkmächtigen deterministischen Versionen der evolutionstheoretischen Organisationsforschung, etwa des population-ecology-Ansatzes. Damit aus dem Rekurs auf den Text keine Reduktion wird, brauchen wir einen Begriff der Ressourcen und des Eingreifens in die Welt, den ich durchaus mit Derrida im 11. Kapitel entwickle.

Organisationen operieren zur Fest-Stellung von Bedeutung mit dem, was Gregory Bateson (1983, 374 ff) Kontext-Markierung" genannt hat. Hamlet spricht zu Ophelia über Selbstmord, aber wir rufen nicht die Polizei. Eintrittskarten, Vorhang, Sitzordnung und viele andere Zeichen markieren den Kontext. Organisationsanweisungen, Unternehmungsphilosophien, strategische Planungskonzepte, Gratifikationen zum Beispiel sind auch Kontext- Markierungen (Bateson 1983, 168).Mehr noch: Die Anwendung von Regeln, die Einhaltung von Gesetzen impliziert, einigermaßen paradox, ihre situative Aussetzung, Verletzung, Modifikation und Rekreation.

Pressestimmen

"[...] ein Lesevergnügen besonderer Art: mit einem sprachlichen Witz geschrieben, das jeden Feuilleton-Chef vor Neid blass werden lässt [...]." Soziologische Revue, 01/2006

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EAN: 9783531909219
Untertitel: Dekonstruktionen. 2. Aufl. 2008. Dateigröße in MByte: 3.
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Erscheinungsdatum: Mai 2008
Seitenanzahl: viii334
Format: pdf eBook
Kopierschutz: Adobe DRM
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