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Forschen unter Bedingungen kultureller Fremdheit


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Mai 2008

Beschreibung

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Die Beitragsautoren gehen der Frage nach, ob unter der Bedingung kultureller Differenz gültiges Wissen erzeugt wird, wenn beispielsweise in westlichen Gesellschaften entwickelte und vielfach erprobte Methoden der Datengenerierung, wie sie das biographische bzw. erzählende Interview, das Gruppendiskussionsverfahren oder die Beobachtung darstellen, angewandt werden.

Inhaltsverzeichnis

Strategien im Forschungsfeld - Rekonstruktion und Verallgemeinerung - Deutungsmuster und kulturelle Vorgabe

Innenansichten

Portrait

Dr. Gabriele Cappai ist Professor an der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth und lehrt dort Methoden der empirischen Sozialforschung.

Leseprobe

Einleitung. Die empirische Erforschung des Fremden. Ein interdisziplinärer Ansatz (S. 9)

Gabriele Cappai

Das Vorhaben, den Zusammenhang von empirischer Forschung und kultureller Fremdheit zum Objekt einer wissenschaftlichen Reflexion zu machen, bedarf heute eigentlich keiner Rechtfertigung. In einer Zeit, in der das Bewusstsein der gesellschaftlichen Kopräsenz und gegenseitigen Bedingtheit von Eigenem und Fremden wächst und mit ihm das Bedürfnis, diese Gleichzeitigkeit und Relation in seinen vielfältigen Facetten und Artikulationen methodisch zu beleuchten, muss das Nachdenken über Methode und Kultur geradezu als eine Selbstverständlichkeit erscheinen.

Man konnte nun anmerken, dass der Zusammenhang von Methode und Kultur, wenn auch mit unterschiedlichen Intentionen und Akzentsetzungen, schon immer im Zentrum der Aufmerksamkeit von Ethnologie und Soziologie stand, so dass unser Vorhaben den Charakter einer Nacherzählung dessen hatte, was in disziplininternen Diskursen bis heute mit relativer Kontinuität stattgefunden hat. Geht nicht etwa die Geschichte der Ethnologie von den Gründungsvatern wie Boas und Malinowski bis zu zeitgenossischen Vertretern wie Geertz und seinen Kritikern Hand in Hand mit einem wachsenden Bewusstsein über Möglichkeiten und Schranken empirischer Verfahren?

Und ist nicht andererseits die Entwicklung der Soziologie von der Chicago School" bis zu den heutigen phänomenologisch und wissenssoziologisch inspirierten empirischen Ansätzen von einer zunehmenden Sensibilität für Differenz und kulturelle Fremdheit gekennzeichnet? Sind schließlich diese zwei Disziplinen nicht auch dadurch theoretisch, methodologisch und methodisch gewachsen, dass sie voneinander gelernt haben, dass sie in ihrer Vorgehensweise eine Sicht eingebaut haben, die typisch für die jeweils andere war?

Diese Fragen konnen nicht eindeutig mit Ja" beantwortet werden. Auch deswegen nicht, weil von einem
symmetrischen Lernprozess beider Disziplinen keine Rede sein kann. Konnte noch vor ungefähr 20 Jahren Rene König (1984) eine Vorbildfunktion der Ethnologie für die Soziologie feststellen, so gibt es heute gute Gründe für die Annahme, die Ethnologie konnte von einer dezidierteren Öffnung gegenüber der Soziologie viel profitieren. Damit ist nicht gemeint dass sich die Ethnologie, wie manche Soziologen heute fordern, nach einem Paradigma ausrichten sollte, das den Akzent auf Verfahrenstandardisierung, Validität, Zuverlässigkeit und Repräsentativität als conditio sine qua non für Wissenschaftlichkeit setzt (Goldthorpe 2000: Kap. IV).

Damit ist vielmehr die Tatsache gemeint, dass sich der Ethnologe nicht gegenüber jenen phänomenologisch und wissenssoziologisch begründeten Ansätzen in der Soziologie versperren kann, die dem empirisch verfahrenden Forscher - zu Hause sowie in der Fremde - sowohl eine grundlagentheoretische Untermauerung als auch ein konzeptionell abgesichertes Forschungsinstrumentarium liefern, die komplementär zu den klassischen Methoden ethnologischer Forschung stehen.

Andererseits sollte der Soziologe von der Vorstellung Abschied nehmen, die metatheoretische Absicherung des eigenen Tuns sei per se Garantie für gute Forschung. Auch sollte er sich von der verbreiteten aber falschen Meinung distanzieren, schon das Abschütteln klassischer Gütekriterien und das Bekenntnis zur Flexibilität und Offenheit gegenüber dem Forschungsgegenstand reiche aus, seinem Vorgehen das Siegel der Transkulturalität zu verleihen. Dazu später mehr.

Die gegenseitige Befrüchtung von Soziologie und Ethnologie ist unleugbar, sie muss aber eher als Resultat zufälliger, denn geplanter Begegnungen angesehen werden. In einer systematischen Zusammenarbeit beider Disziplinen bestehen aber die besten Chancen für einen fruchtbaren Umgang mit dem Problem der empirischen Forschung unter den Bedingungen kultureller Fremdheit. Vor allem sollte sich diese systematische Zus
ammenarbeit nicht in programmatischen Erklärungen erschöpfen, die an eine halbherzig gedachte und noch halbherziger praktizierte Interdisziplinarität appellieren.

Technik

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EAN: 9783531909202
Untertitel: 2008. Auflage. eBook. Dateigröße in MByte: 19.
Verlag: VS Verlag f''r Sozialwissenschaften
Erscheinungsdatum: Mai 2008
Seitenanzahl: vi346
Format: pdf eBook
Kopierschutz: Adobe DRM
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