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Individuen und ihre sozialen Beziehungen


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Oktober 2007

Beschreibung

Beschreibung

Ist die heutige Gesellschaft beziehungslos? Können Sozialformen ohne gemeinschaftliche Bindungen überhaupt bestehen? Wie sieht das Zusammenleben der Individuen in einer "individualisierten Gesellschaft" aus? Dies sind die zentralen Fragen einer Studie, die den Bogen von der Gemeinschafts- und Gesellschafts-Debatte hin zur Netzwerkperspektive spannt. Eingangs werden die wichtigsten Protagonisten dieser Debatte vorgestellt und deren unterschiedliche Positionen verdeutlicht. Der gesamten Debatte liegt die Begriffsdichotomie Gemeinschaft - Gesellschaft zu Grunde, die nicht zu einem der Moderne eigenen Gesellschafts- und Gemeinschaftsverständnis führt. Die anschließende kritische Diskussion kommt zu dem Ergebnis, dass in der modernen Gesellschaft nur eine netzwerktheoretisch orientierte Lesart dieser Begriffe die Komplexität von Gemeinschaft und Gesellschaft erfassen kann. Daher konzentriert sich die Arbeit verstärkt auf die soziale Netzwerkperspektive.

Inhaltsverzeichnis

Gemeinschaft und Gesellschaft - Die Dichotomie von Gemeinschaft und Gesellschaft in den Gesellschaftstheorien - Das Theoretische Konzept des sozialen Netzwerks - Die Methode der Netzwerkanalyse - Verlust oder Liberalisierung von Gemeinschaft?

Innenansichten

Portrait

Dr. Marina Hennig ist Privatdozentin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Leseprobe

1 Gemeinschaft und Gesellschaft (S. 21)

Individualisierungstendenzen sind nach Beck (1986) das wichtigstes Merkmal der gegenwärtigen Gesellschaft. Das moderne Individuum vereinsamt zunehmend und ist - wenn überhaupt - nur Teil unpersönlicher Gemeinschaften. Die verstärkte Individualisierung führe einerseits zur Herauslösung aus traditionellen und familiälen Bindungen und andererseits zu einem Verlust an traditioneller Sicherheit. Die bisherigen Lebensläufe werden entstandardisiert, was zu einem erhöhten Risiko für den Einzelnen führt.

Auch Munch (1992) kommt in seiner umfassenden Gesellschaftskritik zu dem Ergebnis, dass die traditionelle Gesellschaft samt ihrer Normen, Wertvorstellungen und Institutionen endgültig eliminiert werde. So ist nach Munch die neue Kommunikationsgesellschaft durch eine viel größere Offenheit und Vielschichtigkeit gekennzeichnet: Die Einbindung des Menschen in Klassenstrukturen, Kirchen, Verbände, Industrien, Berufe und Systeme weicht einer Vielfalt von sich gegenseitig durchdringenden, völlig freien Vereinigungen (Munch 1992: 15).

Somit entsteht zum einen eine neue Dimension von Individualität, zum anderen bilden sich neue Gemeinschaften in Form von selbst organisierten Gruppen heraus. Solche Beschreibungen der gegenwärtigen Gesellschaft sind durchaus mit dem von Tonnies festgestellten Übergang von der Gemeinschaft zur Gesellschaft vergleichbar, denn auch bei Tonnies werden traditionelle Beziehungsformen abgelöst durch einen Individualisierungsprozess, dem egoistischen Streben nach Selbstbestimmung und -verwirklichung.

Die zunehmende Individualisierung hat zur Folge, dass bisherige Biographien und Geschlechterrollen, Klassen- und Arbeitsverhältnisse entstandardisiert werden und die Unsicherheiten für die Individuen zunehmen. Doch die Risikogesellschaft mit ihren fehlenden Identifikationsmöglichkeiten, die zu einer verlorenen Gemeinschaft wird, befordert auch gleichzeitig
die Suche nach funktionalen Alternativen, d.h. nach neuen Gemeinschaften in Form von Selbsthilfegruppen, Vereinen, aber auch Sekten.

Jedoch jenseits aller Diskussionen um eine desintegrierte, gewandelte oder befreite Gemeinschaft (Wellman 1988) ist die soziale Einbindung der Menschen zu gewährleisten, was in der Konsequenz bedeutet, dass das alltägliche Gemeinschaftsleben individuell organisiert werden muss. Geht man von der Annahme aus, dass jede Form des Zusammenlebens ein Bedürfnis nach Verbundenheit impliziert und da der Individualismus aus der Gemeinschaft entsteht und die Gesellschaft hervorbringt und sie trägt (siehe Tonnies (1987) 1991: XXIII), ist es notwendig, die Gemeinschaftsformen in der Gegenwart zu betrachten.

Sind sie das Resultat von Modernisierungsprozessen und Vergesellschaftung oder bilden sie eher eine Gegenbewegung dazu? Um diese Thematik über das Gegensatzpaar Gemeinschaft und Gesellschaft aus der Sicht eines allgemeinen soziologischen Theorieverständnisses zu beleuchten, folgt an dieser Stelle ein diskursgeschichtlicher Abriss der wichtigsten Protagonisten um die Gemeinschaftsdebatte.

1.1 Rationalisierung und Gemeinschaft

1887 erschien die erste Fassung von Ferdinand Tonnies berühmtestem Werk, in dem er erstmals den historischen Übergang vom Zeitalter der Gemeinschaft zum Zeitalter Gesellschaft interpretierte. Zwei Zeitalter stehen mithin (...) in den großen Kulturentwicklungen einander gegenüber: Ein Zeitalter der Gesellschaft folgt einem Zeitalter der Gemeinschaft. Dieses ist durch den sozialen Willen als Eintracht, Sitte, Religion bezeichnet, jenes durch den sozialen Willen als Konvention, Politik, öffentliche Meinung (Tonnies (1887)1991:215).

Dabei hat Tonnies den historisch-gesellschaftlichen Wandel als einen linearen Wandel beschrieben, der sich notwendigerweise und fortschreitend vom Pol der Gemeinschaft zum Pol der Gesellschaft vollzieht. Seitdem diente das Begriffpaar Gemeinschaft u
nd Gesellschaft in den meisten Interpretationen als dualistisches Modell mit zwei sich gegenüberstehenden Normaltypen ,sozialer Beziehungen, in denen bzw. durch die sich Menschen assoziieren: der Wesenwille (Eintracht) und der Kurwille (Vertrag).

Pressestimmen

"Für eine theologische und kanonistische Auseinandersetzung mit dem Thema Partnerschaft, Ehe und Familie hält die Betrachtung des familialen Lebens unter Netzwerkgesichtspunkten einige erhellende Aspekte bereit. Insbesondere ermöglicht die Netzwerkperspektive, der der soziale Beziehungen bzw. Beziehungsgefüge, nicht Individuen die relevante Untersuchungseinheit sind, einen differenzierten Blick auf unterschiedliche Verhaltensweisen von Individuen in verschiedenen Kontexten und die sich daraus ergebenden, höchst vielfältigen sozialen Beziehungen und Beziehungsintensitäten [...]." DPM - De Processibus Matrimonialibus, 14/2007

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EAN: 9783531902975
Untertitel: 2006. Auflage. eBook. Dateigröße in MByte: 10.
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Erscheinungsdatum: Oktober 2007
Seitenanzahl: xi201
Format: pdf eBook
Kopierschutz: Adobe DRM
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