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Erinnerung - Reflexion - Geschichte


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Februar 2008

Beschreibung

Beschreibung

Erinnerung ist ein Thema, das in vielfältiger Weise Theorie und Praxis der pädagogischen Disziplin durchzieht. Sie ist konstitutiv für Lebensgeschichten, Identitätsentwicklung und Bildungsprozesse Einzelner. Sie formt vergangene, gegenwärtige und zukünftige Entwürfe von Gesellschaften, Kulturen und Nationen. Erinnerung repräsentiert jedoch weder ein objektives, allgemeingültiges, vollständiges und/oder statisches Wissen über die vergangenen Ereignisse der Weltzeit noch über die der individuellen Lebenszeit. Die AutorInnen der Fachrichtungen Psychoanalytische Pädagogik und Biographieforschung rekonstruieren zum einen, wie methodische und theoretische Zugänge der beiden Forschungsrichtungen zu Erinnerung aussehen. Zum anderen werden die jeweiligen Potenziale und Grenzen anhand einer auch historisch und kulturell orientierten Erinnerungsarbeit ausgeleuchtet.

Inhaltsverzeichnis

Problemaufriss: Psychoanalytische und qualitative Sozialforschung - Erinnerungsarbeit in biographischen Wandlungsprozessen - Erinnerungsarbeit in und mit verschiedenen Medien - Zum Verhältnis von individueller und kollektiver Erinnerung

Innenansichten

Portrait

Dr. Margret Dörr ist Professorin für Theorie Sozialer Arbeit an der Katholischen Hochschule für Soziale Arbeit in Saarbrücken.

Dr. Heide von Felden ist Professorin für Erziehungswissenschaften (Erwachsenenbildung) an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Dr. Regina Klein ist ist Professorin für Handlungsfelder und -kompetenzen der Sozialen Arbeit an der FH Kärnten, Österreich.

Dr. Hildegard Macha ist Professorin für Allgemeine Pädagogik an der Universität Augsburg.

Dr. Winfried Marotzki ist Professor für Allgemeine Pädagogik am Institut für Erziehungswissenschaft der Otto von Guericke-Universität Magdeburg.


Leseprobe

Instantane Bildung (S. 15)

Zu einem Tagtraum DESCARTES

In seinem so beeindruckend autobiographisch durchwirkten Discours de la méthode aus dem Jahre 1637 stellt sich DESCARTES als ein Mann vor, dem in seiner Jugend, neben anderem, der Mangel an Einheitlichkeit der Werke des Menschen Anlass zum Unmut gewesen sei.

Um wie viel schöner, so sei seine Überlegung gewesen, könnten Bauten sein, wenn sie auf einen einzigen, von einer und nur einer Person erdachten Plan hin angelegt wären statt im Laufe der Zeit von vielen Personen mit vielen Plänen, und dies gelte ebenso von Städten, politischen Verfassungen sowie wissenschaftlichem Wissen.

Der Unübersichtlichkeit einer Vielzahl von handwerklichen, stadtplanerischen, gesetzgebenden oder forschenden Autoren habe er, DESCARTES, die Idee eines Entwurfs aus einer Hand vorgezogen, was sachlich ohne weitere Erläuterung evident sei, man brauche sich nur die rues courbés et inégales (VI, S. 11) vor Augen halten, um die Unterschiede in Schönheit und Vernunft abmessen zu können.

Als ein letztes Beispiel ästhetisch oder rational unbezweifelbarer Überlegenheit nur eines einzigen Autors statt derer viele fügt DESCARTES die Polypragmosyne befördernde Vielzahl der kindlichen Bestrebungen und autoritativen Lehrpersonen an, die in vergleichbarer Weise den Geist des aufwachsenden Kindes beschäftigten und verwirrten, wie es Architekten oder Stadtplaner von alters her mit dem Grundriss von Häusern oder Städten täten. Im Gegensatz zu manchen Meinungen zieht DESCARTES daraus aber nicht die Konsequenz auf eine Inferiorität der Kindheit überhaupt!

Im Anschluss an eine Unterscheidung von deux sortes desprits (VI, S. 15), Möchtegernen einerseits und Braven andererseits, heißt es nämlich weiter: Et pour moy, jaurois esté sans doute du nombre de ces derniers, si je navois jamais eu qu un seul maistre, ou que je neusse point sceu les differences qui ont est
é de tout tems entre les opinions des plus doctes (VI, S. 16).

Es ist eben weder anstößig noch unvernünftig, gediegenen Meinungen zu folgen. Damit könnte man nun die Sache auf sich beruhen lassen: Viele Köche verderben den Brei. Indes weicht DESCARTES an einer Stelle von diesem Muster ab, indem er sich eine Art eidetischer Variation von Kindheit erlaubt, ein wie wäre es, wenn?.

Er schreibt: Et ainsi encore je pensay que, pource que nous avons tous esté enfans avant que destre hommes, &, quil nous a fallu long tems estre gouvernez par nos appetis &, nos Precepteurs, qui estoient souvent contraires les uns aux autres, &, qui, ny les uns ny les autres, ne nous conseilloient peutestre pas toujours le meilleur, il est presqu impossible que nos jugemens soient si purs, ny si solides quils auroient esté, si nous avions eu lusage entier de nostre raison dés le point de nostre naissance, &, que nous neussions jamais esté conduits que par elle (VI, S. 13).

Was könnte uns erspart bleiben und was wäre uns möglich, wenn wir vollständigen Gebrauch von unserer Vernunft seit dem Tage unserer Geburt machen könnten! Keine Doxa, also keine verworrenen und dunklen (confus et obscurs) Vorstellungen, sondern klar und deutlich die Sachen erkennen können (clairement et distinctement), ohne dabei Übereilung durch Eitelkeit und Gehorsam durch Bravheit eine Rolle einräumen zu müssen.

Pressestimmen

"Für Interessierte gibt dieser Sammelband einen guten Überblick über andere Zugänge zu Erinnerung und Gedächtnis. Diese werden nicht nur theoretisch vorgestellt, sondern mit Hilfe von Ergebnissen aus konkreten Forschungsprojekten erläutert. Ein anregendes Buch!" Der Newsletter der AG EPIK, 4-2009
"21 Autoren geben sich einer altmodischen Beschäftigung hin: sie überlegen, was ihre Wissenschaft zu den anderen beiträgt, sie fragen sich, wie Pädagogik und Psychoanalyse heute zusammenarbeiten können. Sie nehmen nicht nur zur Kenntnis, sondern versuchen zu verarbeiten, was heutige Geschichtsauffassung über das feuilleton hinaus zur Identitätsbildung und auch manchmal zur Heilung verletzter Seelen beitragen kann. [...] Der Leser wird garantiert belohnt." www.socialnet.de, 22.05.2009

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EAN: 9783531908281
Untertitel: Erinnerung aus psychoanalytischer und biographietheoretischer Perspektive. 2008. Auflage. Dateigröße in MByte: 2.
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Erscheinungsdatum: Februar 2008
Seitenanzahl: 279 Seiten
Format: pdf eBook
Kopierschutz: Adobe DRM
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