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(Wahl-)Verwandtschaft - Zur Erklärung verwandtschaftlichen Handelns


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Mai 2008

Beschreibung

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Verwandtschaft ist eine soziale Denk- und Handlungskategorie, die zwar im Alltag eine wichtige Rolle spielt, die aber in der Soziologie und im speziellen Feld der Familiensoziologie eine fast vergessene Thematik ist. Dies gilt insbesondere für die über die Kernfamilie hinausreichenden erweiterten Familienbeziehungen.Nina Jakoby zeigt, dass die erweiterte Verwandtschaft auch in modernen differenzierten Gesellschaften ein bedeutsamer Bezugspunkt unseres Handelns ist. Im Unterschied zu biologischen und juristischen Konzeptionen wird aus soziologischer Sicht verwandtschaftliches Handeln als Wahlhandeln begriffen. Verwandtschaftliche Interaktionen werden gewählt und unterliegen dem Kosten-Nutzen-Kalkül. Erst so wird erklärbar, unter welchen sozialen Bedingungen sich eine biologische Verwandtschaft in sozialen Interaktionen manifestiert.

Inhaltsverzeichnis

Verwandtschaft: begriffliche und thematische Einordnung - Verwandtschaftsbeziehungen im sozialen Wandel - Theoretische Erklärungen und empirische Korrelate verwandtschaftlichen Handelns - Ein Modell zur Erklärung der Wahl von Verwandten - Empirische Analyse von Verwandtschaftsbeziehungen

Innenansichten

Portrait

Nina Jakoby ist Oberassistentin am Soziologischen Institut der Universität Zürich.

Leseprobe

1 Verwandtschaft: begriffliche und thematische Einordnung (S. 19)

Fragen zur Terminologie und Struktur von Verwandtschaftsbeziehungen beantworten vor allem die wissenschaftlichen Disziplinen Anthropologie und Ethnologie, da sie Verwandtschaftsforschung als ihre Kerndisziplin betrachten (vgl. Marbach 1998: 95). Die Ethnologie und Anthropologie analysieren Verwandtschaftsbeziehungen jedoch weniger als Teil der familialen Interaktion, sondern primär als Hauptbestandteil der umfassenden Sozialstruktur einer Gesellschaft (vgl. Goode 1967b: 111).

Diese Strukturanalysen berücksichtigen nicht ausreichend die Dimension des praktischen Handelns, die im Zentrum einer soziologischen Betrachtung von Verwandtschaft steht (vgl. Medick, Sabean 1984: 49). Rosenbaum (1998: 29f.) stellt in diesem Zusammenhang eine auffällige Arbeitsteilung zwischen Soziologie und Ethnologie" fest, in der die Soziologie Verwandtschaftsbeziehungen wegen ihrer vermeintlichen Irrelevanz aus ihrem Gegenstandsbereich ausblendete und sich erst allmählich durchsetzt, dass diese Annahme ein Fehler gewesen sein könnte.

Die These des Bedeutungs- und Funktionsverlustes der Verwandtschaft gehört zu den klassischen Annahmen in der Soziologie. Vor diesem Hintergrund wird Verwandtschaft als soziologischer Gegenstand aufgearbeitet.

1.1 Zum Begriff der Verwandtschaft

1.1.1 Allgemeine Verwandtschaftsterminologie


Eine Begriffsdefinition ist in einer wissenschaftlichen Arbeit notwendig, da gerade im Deutschen Familie" und Verwandtschaft" oft synonym gebraucht wird (vgl. Lüschen 1989: 435). So werden beide Begriffe in der Umgangssprache nicht klar voneinander getrennt (vgl. Rosenbaum 1998: 18). Der Begriff Familie" wird im Alltagsgebrauch für jegliche Form von Gemeinschaft gebraucht, sei die typische" Kernfamilie, bestehend aus Vater-Mutter-Kind, aber auch komplexe intergenerationale Beziehungen und Verwandtschaftsnetzwerke (v
gl. Johnson 2000a: 129).

Unter Familie" soll im Folgenden die Kernfamilie verstanden werden, (entfernte) Verwandtschaft" und erweiterter Familienkreis" umfasst alle darüber hinausreichenden Beziehungen (vgl. auch Rosenbaum 1998: 189). Es gibt sehr große kulturelle Variationen in Bezug auf die Zugehörigkeit und Nicht- Zugehörigkeit zur Verwandtschaft, so dass festgehalten werden kann: Jede Gesellschaft bestimmt für sich, wer mit wem verwandt ist" (Nave-Herz 2004: 35).

Und für König (1976: 15) ist Verwandtschaft nicht einfach mit der Blutsverwandtschaft gleichzusetzen, vielmehr stellt Verwandtschaft ein System von Vorstellungen" dar, das sich von Gesellschaft zu Gesellschaft unterscheidet. Verwandtschaft wird im Folgenden in ihrer grundlegenden und einfachen Terminologie definiert Begriffe, die in der westlichen Gesellschaft von praktischer Relevanz sind.

In der Familiensoziologie wird Verwandtschaft als ein spezifischer Kooperations- und Solidaritätsverband definiert, dessen Existenz und dessen Grenzen durch das Erbschaftsrecht, das Inzesttabu und durch Rollenbezeichnungen (Tante, Neffe, Schwager) (...) erkennbar sind" (Nave-Herz 1998: 288). Verwandtschaft bedeutet allgemein die Bindung zwischen mehreren Personen aufgrund gemeinsamer Abstammung bzw. Vorfahren (Eltern, Großeltern usw.) und infolge von Eheschließungen" (Hillmann 1994: 909). Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) behandelt Verwandtschaftsverhältnisse im 4. Buch (Familienrecht) (vgl. Lucke 1998: 62f.):

1598 BGB (Verwandtschaft)

Personen, deren eine von der anderen abstammt, sind in gerader Linie verwandt. Personen, die nicht in gerader Linie verwandt sind, aber von derselben dritten Person abstammen, sind in der Seitenlinie verwandt. Der Grad der Verwandtschaft bestimmt sich nach der Zahl der sie vermittelnden Geburten.

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EAN: 9783531909257
Untertitel: 2008. Auflage. eBook. Dateigröße in MByte: 2.
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Erscheinungsdatum: Mai 2008
Seitenanzahl: xiv306
Format: pdf eBook
Kopierschutz: Adobe DRM
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