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Gegenseitigkeit und Recht.


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kartoniert
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Oktober 2001

Beschreibung

Beschreibung

Warum gibt es Normen, ein doch recht unwahrscheinliches Phänomen, mit dem sich Menschen zu etwas »verbinden« (wie Kant formulierte), das ihnen gelegentlich gar nicht recht ist? Der Autor gibt sich in der vorliegenden interdisziplinären Arbeit nicht damit zufrieden, diese Frage durch einen Verweis auf Parlamentarier oder Religionsstifter, auf soziale Gruppen oder die Tradition zu beantworten. Er geht einen Schritt weiter: Wie wirkt sich die Gattungsgeschichte auf das menschliche Verhalten allgemein aus, im besonderen auf normbezogenes Verhalten und hier speziell auf Gegenseitigkeitsnormen und Recht? Und wie verhält sich hierzu der Einfluß menschlicher Kultur und Gesellschaft?

Darwins Evolutions- und Selektionstheorie ist in der Biologie mittlerweile konkurrenzlos. Darüber hinaus entwickelt sie sich zu einem bedeutenden »Paradigma« diverser Disziplinen wie Psychologie, Wissenschaftstheorie, Informatik, Ökonomie oder Spieltheorie. Die evolutionstheoretisch fundierte Analyse menschlichen Verhaltens muß als eines der vielversprechendsten wissenschaftlichen Projekte der nächsten Jahrzehnte gelten. Insbesondere Modelle der Koevolution zwischen Natur und Kultur sind fruchtbar. In Deutschland steckt die Behandlung des Themas jedoch noch in den Kinderschuhen. Statt dessen wird gerne ein Zerrbild der Biologie konstruiert und dann verworfen. Gerade die Rechtswissenschaft müßte freilich ein erhebliches Interesse daran haben, eine adäquate Verhaltenstheorie zu besitzen. Denn das Recht ist durchweg mit Verhaltensphänomenen konfrontiert. Allerdings ist vor Biologismus zu warnen: Normative Schlußfolgerungen können aus der Evolution nicht gezogen werden.

Das Verhaltensprinzip der Gegenseitigkeit erweist sich als Angelpunkt einer Erklärung der Normentstehung. Besonders interessant sind solche Normen, die den Menschen seit Urzeiten begleiten und wichtige Lebensbereiche regeln, wie Tötungs-, Lüge-, Diebstahls-, Inzestverbot, Achtungsgebote oder Goldene Regel.

Ausgezeichnet mit dem Reinhold-und-MariaTeufel-Preis für hervorragende wissenschaftliche Leistungen.

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsübersicht:
Teil I: Einführung: Normentstehung und Normbegriff - Gene, Kultur, Koevolution - Methode und Forschungsstand -
Teil II: Grundlegende Konzepte der evolutionären Verhaltenstheorie: Charles Darwins Theorie - Neodarwinismus - Kritische Diskussion -
Teil III: Theorie der Koevolution: Methodenfragen - Kulturevolution - Koevolution - Umfeldbedingungen evolutionärer Angepaßtheit - Zusammenfassung -
Teil IV: Koevolutionäre Verhaltenstheorie: Der Nahbereich: Verwandtensolidarität - Der Mittelbereich: Gegenseitigkeit, Betrug und Konkurrenz - Der Fernbereich: Gruppenabgrenzung - Kritische Diskussion - Zusammenfassung und Ausblick -
Teil V: Die Entstehung von Normen und Recht: Die Evolution der Normativität - Normbedarf und -entstehungsbedingungen - Normbefolgung - Besonderheiten der Rechtsentstehung - Zusammenfassung - Literaturverzeichnis - Personen- und Sachverzeichnis

Pressestimmen

"[...] Die Biologisierung von Recht und Moral verführt Laien und Fachleute gleichermaßen, in die ewig gleichen Fallen zu tappen, die da heißen 'Naturalistischer Fehlschluss', und 'genetischer Determinismus' (womit ein genetischer Purismus gemeint ist, der Milieueinflüsse auf Entwicklung und Verhalten weitgehend leugnet). Beides hat das Projekt einer Naturalisierung der humana von Anbeginn begleitet und so manchen Versuch einer Evolutionären Ethik zum Scheitern gebracht. Wer nun meint, auch Steffen Wesche diesen Vorwurf machen zu können, irrt sich gewaltig. Der Autor widmet immerhin rund 170 Seiten seines Buches dem Prozess der biogenetisch/tradigenetischen Koevolution. Auf diese Weise wird der konstruktive Anteil der menschlichen Kultur an der Normenentstehung klar herausgearbeitet. Evolutionäre Argumente sind keineswegs blind für Umwelteinflüsse, im Gegenteil - sie handeln von evolutionären Anpassungsleistungen, bei denen die Kultur sowohl als adaptive Strategie eine Rolle spielt als auch als individuell vorgefundene Rahmenbedingung, an die sich über ontogenetische Entwicklungsprozesse angepasst wird. Die intellektuelle Herausforderung, die Steffen Wesche seiner Leserschaft anbietet, besteht nun darin, diese Doppelrolle der Kultur als Anpassungsbildnerin auf der einen Seite und als Anpassungsleistung auf der anderen biologisch funktional zu interpretieren, was bedeutet, kulturelle Phänomene an genetische Theorien des Verhaltens anzuschließen. Ich wünsche dem Buch aus zwei Gründen eine weite Verbreitung. Zum einen, weil es auf vorbildliche Weise einen Gegenstand der Rechtstheorie einer evolutionären Analyse unterzieht und damit unter Überwindung der engen fachsystematischen Grenzen unser Wissen über die Entstehung von Gegenseitigkeitsnormen deutlich vermehrt. Zum anderen, weil die Beschäftigung mit der Biologie, speziell der Soziobiologie auf eine kompetente, seriöse Art und Weise erfolgt ist, wie man sie außerhalb der Soziobiologie nur ausgesprochen selten vorfindet. Ich kann gut verstehen, dass dieses Buch mit einem Wissenschaftspreis ausgezeichnet wurde, nämlich dem Reinhold-und-MariaTeufel-Preis für hervorragende wissenschaftliche Leistungen. Dies geschah ohne Zweifel verdientermaßen." Eckart Voland, in: ARSP (Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie), Bd. 90/04
EAN: 9783428105366
ISBN: 3428105362
Untertitel: Eine Studie zur Entstehung von Normen. 'Schriften zur Rechtstheorie'. 1. , Aufl. Tabellen, Abbildungen; 429 S.
Verlag: Duncker & Humblot GmbH
Erscheinungsdatum: Oktober 2001
Seitenanzahl: 429 Seiten
Format: kartoniert
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